Wenn ein geliebter Mensch von uns geht, braucht die Trauer Ausdruck. Dieser ist sehr individuell von der trauernden Person abhängig. Dabei spielen Faktoren wie die Art und Tiefe der Beziehung des Hinterbliebenen zum Verstorbenen und auch ein kultureller Hintergrund eine Rolle. Auch unser Umfeld beeinflusst unsere Art der Trauer.

Ein Wechselbad der Gefühle

Es ist wohl eine der schwersten Prüfungen des Lebens, wenn wir uns für immer von einem geliebten Menschen verabschieden müssen. Dabei stürzen die unterschiedlichsten Gefühle auf uns ein. Manchmal sind wir auf diese Flut an Gefühlen vorbereitet. Etwa, wenn wir Orte besuchen, die wir immer gemeinsam mit dem Verstorbenen besucht haben. Dann können wir uns bereits gedanklich auf die Trauergefühle einstellen.

Manchmal überkommen uns die Gefühle und Erinnerungen aus heiterem Himmel, teilweise Monate später. Wir werden von Wehmut und Traurigkeit über den Verlust überrollt, sind vor Liebe für den Verstorbenen ergriffen. Auch negativ besetzte Gefühle können uns nichtsahnend treffen. Wut über den zu frühen Tod des Partners, das Gefühl, vom Schicksal ungerecht behandelt worden zu sein. Wir leiden vielleicht auch darunter, dass wir uns nicht richtig verabschieden konnten oder Dinge ungesagt geblieben sind.

Wie Sie mit diesem Wechselbad der Gefühle nach dem Tod eines geliebten Menschen umgehen, ist sehr individuell vom Charakter und der Lebenssituation abhängig.
Viele Trauernde ziehen sich zunächst einmal vom gesellschaftlichen Leben zurück. Sie wollen mit ihren Gefühlen allein sein oder sich nur einem ausgewählten Kreis von Personen öffnen. Sie möchten in Erinnerungen schwelgen, weinen und mit dem Tod abschließen. Besonders ältere Hinterbliebene haben häufig neben dem Partner oder der Partnerin und einigen wenigen Angehörigen kaum Kontakte gepflegt und sind selten aus dem Haus gegangen. Sie werden oft einsam und brauchen neue Impulse von außen.

Es gibt auch Menschen, die anders trauern. Sie suchen die Ablenkung, stürzen sich ins Berufsleben, gehen aus, treffen möglichst viele Menschen oder verreisen. Diese Hinterbliebenen scheuen häufig die Konfrontation mit ihren Erinnerungen und meiden das Thema Tod so gut es geht. Doch gerade sie brauchen eine feste Hand, die sie durch die Trauerphase führt und ihnen Hilft, auch den traurigen Gefühlen Raum zu geben.
Religiöse Menschen jeder Konfession suchen oft Trost im Glauben. Sie sind sicher, ihren geliebten Menschen irgendwann in einem besseren Jenseits wiederzusehen. Dieser Glaube kann sehr tröstlich sein, wenn er auch nicht jedem hilft.
Für viele Trauernde ist eine Mischung oder ein Aufeinanderfolgen von stillen und aktiven Phasen ein guter Weg, mit dem Verlust umgehen zu lernen. Wie diese Mischung der Phasen aussieht und wann wofür Zeit ist, bestimmen Sie als Trauernder selbst.

Wie wir trauern, hängt auch davon ab, wo wir trauern. Das klingt zunächst merkwürdig. Sind wir nicht überall gleich traurig über den Verlust eines geliebten und geschätzten Menschen? Die Antwort lautet: ja, aber…

Das Leben und Sterben auf dem Land

Das Leben auf dem Land, beispielsweise in einem kleinen Dorf im Allgäu, geht einen anderen Gang als in einer Metropole wie München. Auch, wenn viele Dorfbewohner heutzutage zur Arbeit in die umliegenden Städte und Gewerbegebiete pendeln, so sind die meisten von ihnen fest in ihr Dorfleben eingebunden. Man kennt alle Nachbarn und grüßt sich nicht nur verstohlen, sondern grillt im Sommer zusammen, trifft sich im Winter auf einen Glühwein und hilft sich bei der Gartenarbeit. Die Dorfbewohner kennen sich üblicherweise ihr ganzes Leben lang. Sie sitzen in der Grundschule in der gleichen Bank, fahren später mit dem Bus zusammen ins Schulzentrum in der Kreisstadt und noch später mit dem Mofa zum Schützenfest. Die Nachbarn sind zumeist Freunde, laden sich gegenseitig zu Hochzeiten, Taufen und runden Geburtstagen ein. Wer in den Urlaub fährt, gibt den Nachbarn selbstverständlich den Schlüssel, um die Pflanzen zu gießen, die Katze zu füttern und nach der Post zu schauen.

Das dörfliche Leben wird auch von Traditionen geprägt. Hier gehört der regelmäßige Kirchgang zum Sonntag, wie der Apfelkuchen bei der Schwiegermutter. Schützenfeste und Fasching sind feste Bestandteile des Jahreskreises und selbstverständlich ziehen die Kinder gemeinsam als Sternsinger durch die wenigen Straßen. Wer sich ins Dorfleben einbringt, findet eine feste Gemeinschaft, die sich gegenseitig unterstützt. Muss ein morscher Baum gefällt werden? Kein Problem, es findet sich schon einer mit der passenden Ausrüstung. Hat eine Frau Zwillinge bekommen? Die Nachbarinnen kochen Suppen für die ersten Tage und fahren den frisch gebackenen großen Bruder zur Schule.

Auch der Familienverband ist häufig fest und weitläufig. Zwei oder drei Generationen wohnen ganz selbstverständlich nahe beieinander, bewirtschaften vielleicht sogar den Hof zusammen oder führen einen kleinen Laden in vierter Generation. Die Enkelkinder gehen nach der Schule zu Oma, damit Mama noch eine Stunde länger arbeiten kann und verbringen die Wochenenden bei den Pferden der Tante. Das Leben ist übersichtlicher als in der Stadt, die Bande sind fester und Freundschaften halten fünfzig Jahre lang.

Der feste Zusammenhalt bleibt auch bestehen, wenn jemand gehen muss. Schicksalsschläge und Verluste einen ein ganzes Dorf. Die Nachbarn und Verwandten trauern gemeinsam mit den engen Angehörigen, weil auch sie den Verstorbenen gut kannten und schätzten. Der Dorfverband wird in diesen Fällen aktiv und unterstützt die trauernden Angehörigen mit Rat und Tat. Dies kann sehr erholsam sein, wenn einer jungen Witwe vielleicht erst einmal das Kochen für ihre Kinder oder das Wäschewaschen abgenommen wird. So findet sie Zeit, den Tod des Ehemannes und Vaters gemeinsam mit ihren Kindern zu besprechen und langsam zu verarbeiten. Stirbt die langjährige Ehefrau eines älteren Herrn, wird er bestimmt von seinen alten Freunden nach einer Weile wieder zum wöchentlichen Skatabend abgeholt und findet so einen Weg, der bedrückenden Stille seiner Wohnung für eine Weile zu entgehen und neuen Lebensmut zu schöpfen. Auch die Enkelkinder leben ja in der Nähe und können dem Großvater zeigen, dass er weiterhin gebraucht und geschätzt wird.

Dieses Geflecht aus Hilfe, Mitgefühl, gemeinsamem Trauern und der Pflege von religiösen und gesellschaftlichen Traditionen hilft vielen Hinterbliebenen, ihren Verlust zu verarbeiten und mit ihm leben zu lernen.

Allerdings kann das Geflecht für einige Trauernde auch einengend sein. Wenn der Hinterbliebene sich zurückziehen möchte, aber ständig die Nachbarn mit gut gemeinten Geschenken und Ratschlägen vor der Tür stehen, kann er dies zunehmend als Störung seiner Trauer empfinden. Häufig finden aber trauernde Menschen nicht mehr die Kraft, sich mit anderen auseinander zu setzten und Meinungsverschiedenheiten auszufechten. Besonders ältere Menschen sind häufig auch zu höflich, nein zu sagen. Die seit Jahrzehnten aufgebauten, sehr engen Beziehungen untereinander können auch in eine Distanzlosigkeit münden und die Nachbarn und Verwandten können sich anmaßen, dem Trauernden zu sagen, wie er zu trauern hat oder dass es „langsam aber auch gut“ sei. Hier empfiehlt es sich, eine neutrale, professionelle Person als Trauerbegleiter zu engagieren, die den Hinterbliebenen hilft, aus einer Spirale an Überforderung und Unsicherheiten herauszukommen und sich wieder auf den Trauerprozess zu konzentrieren. Die professionellen Trauerbegleiter können die Situationen richtig einschätzen und den Hinterbliebenen helfen, Grenzen zu setzen, ohne die engen Freunde, Nachbarn und Verwandten zu verärgern.

In der Anonymität der Großstadt

Das Leben in einer Metropole ist schnell, laut und wild. Die Bewohner der Stadt sind eigentlich nie allein, doch oft einsam. Man kennt sich oft nur flüchtig, weiß weder die Namen, noch kennt man die Gesichter derer, mit denen man in einem Haus lebt. Auch Freundschaften und Beziehungen sind schnelllebiger. Da freundet man sich mit dem netten Nachbarn an, trinkt nach Feierabend gerne ein Bier zusammen oder lädt sich zum Geburtstag ein. Und zwei Jahre später hat der Freund das Studium beendet und zieht von München nach Hamburg. Man verspricht sich, in Kontakt zu bleiben und endet als „Freunde“ in sozialen Medien, deren Posts man aus Höflichkeit liked.

Wo junge Menschen in der Großstadt oft zu viele Bekanntschaften haben, fehlt es den älteren Bewohnern oft an sozialen Kontakten. Sie beschränken sich mit den Jahren häufig allein auf die Ehepartner. Stirbt einer der beiden, bleibt der andere allein und einsam zurück. Ältere Trauernde ohne Angehörige wissen oft nicht, wohin mit ihrer Trauer. Ihre Generation behielt die Gefühle oft für sich. Über Gefühle, besonders die negativ besetzten, redete man nicht. Es musste schon irgendwie gehen, man kam schon zurecht. Und so antworten die Hinterbliebenen auch häufig, wenn sie von einem freundlichen Nachbarn oder dem Kassierer des nahegelegenen Supermarktes einmal gefragt werden: „Es geht!“
Dabei geraten sie aus Mangel an Kontakten und Gesprächspartnern oft ins soziale Abseits. Sie entwickeln Ängste, fühlen sich nutzlos und beschränken ihr Leben immer weiter auf die eigenen vier Wände. So vereinsamen sie unbemerkt und verbringen ihre letzten Lebensjahre phlegmatisch und trübsinnig allein.

Auch jüngeren Hinterbliebenen kann das soziale Netz fehlen, wenn sie nach einem Schicksalsschlag plötzlich allein dastehen. Die flüchtigen Bekanntschaften bekunden, gerne online, ihr Mitgefühl und erkundigen sich pflichtbewusst in den ersten Wochen nach dem Befinden. Doch bald schon wird der Schicksalsschlag über neuen, aufregenden Gesprächsthemen vergessen. Dann fragen sich die Bekannten: „Warum geht sie nicht mal wieder unter Leute?“
Für ausdauernde Empathie ist in einer schnelllebigen Gesellschaft wenig Platz.

Viele Großstädter sind zugezogene. Sie kamen zum Studium oder für die gut bezahlte Arbeit in die Stadt. Viele suchten auch bewusst das wilde Leben, Partys, Kulturangebote, Anonymität und den Abstand zur Heimatregion, die ihnen langweilig und eintönig erschien. Sie fuhren Anfangs jeden Monat, dann bald nur noch zu den Feiertagen in die Heimat und lockerten so alle Beziehungsfäden. Mit der Zeit fehlte der Bezug zur Familie und den alten Weggefährten. In ihrer Trauerphase bieten die Verwandten sicherlich Hilfe an, doch sind sie oft zu weit entfernt und können ihre Verpflichtungen nicht dauerhaft ruhen lassen, um dem trauernden Angehörigen in der Großstadt über einen längeren Zeitraum beizustehen.

Ein Trauerbegleiter kann die einsamen Menschen genau dort abholen, wo sie stehen. Er oder sie bietet ein offenes Ohr für die Sorgen und Ängste der Hinterbliebenen und gibt ihnen Hilfestellungen, wo sie nötig sind.

Die Trauerbegleitung hilft, bei der Bewältigung der anstehenden Aufgaben, stärkt den Hinterbliebenen emotional und hilft ihm, die vielfältigen Gefühle zuzulassen, anzunehmen und zu überstehen. Die Trauerbegleitung kann auch helfen, sich wieder im Alltag zurechtzufinden und sich auf die eigenen Stärken und Fähigkeiten zu besinnen. Der Tod eines geliebten Menschen ist ein harter Bruch und wird immer eine Lücke hinterlassen. Doch der Hinterbliebene kann lernen, nach vorne zu blicken und wieder Freude zu empfinden.

Fazit

Das Leben in einem kleinen Dorf ist vollkommen anders, als das Leben in einer Großstadt wie München. Das soziale Gefüge im Dorf ist deutlich enger, langanhaltender und oftmals tiefgründiger, als die flüchtigeren Beziehungen in der Großstadt. Das Leben auf dem Land ist auch von religiösen und gesellschaftlichen Normen geprägt, die in der Großstadt deutlich weniger Bedeutung besitzen. Diese engen Normen sind oft das, wovor die Zugezogenen in die Großstadt flüchten, sie suchen die große und liberale Freiheit. Die Bräuche und Standards des Landlebens können einengen, aber schaffen auch ein weiches Netz im Falle eines Schicksalsschlages.
Ein religiöser Mensch findet eher Trost im festen Glauben an ein Wiedersehen mit den Liebsten und ein enges soziales Netz kann den Trauernden entlasten und stützen.

Diese Unterstützung fehlt einem allein in der Anonymität der Metropole lebenden Menschen im Trauerfall. Er kann schnell vereinsamen und findet kein offenes Ohr für seine Sorgen.
Wenn die Sorgen drückend werden, wenn Sie als Trauernder nicht mehr wissen, wie Sie mit den unzähligen, oft willkürlich auftretenden Gefühlen im Trauerfall umgehen sollen, ist es ein Trost, eine erfahrene Trauerbegleitung an der Seite zu haben, die Ihnen in der Einsamkeit und bei Überforderung hilft.
Auch den Menschen auf dem Land können trotz engem sozialen Gefüge die Gefühle und Sorgen über den Kopf wachsen. Wenn die Verwandten, Freunde und Nachbarn sich Ihnen als Trauerndem distanzlos aufdrängen und Ihnen keinen Raum für die Bewältigung des Verlustes zugestehen, kann eine professionelle und erfahrene Trauerbegleitung dabei helfen, Grenzen zu setzen und den Fokus auf das Wesentliche zu lenken.

Eine Trauerbegleitung kann sowohl jungen als auch älteren Hinterbliebenen emotionale Stabilität zurückgeben und sie beim Abschied nehmen unterstützen. Auch und besonders Kinder profitieren von der Arbeit eines Trauerbegleiters, da ihre eigentlichen Ansprechpartner, die Eltern, auch mit ihren eigenen Gefühlen zurechtkommen müssen. Eine Trauerbegleitung unterstützt die Kinder und entlastet die selbst trauernden Eltern.

Wenn Sie Ihre vielfältigen Gefühle von Wehmut und Bedauern, über Angst vor der Zukunft, Wut über den zu frühen Tod, einem Hadern mit dem eigenen Schicksal, bis hin zu lähmender Ausweglosigkeit und Selbstvorwürfen in konstruktive und heilende Bahnen lenken wollen, wird eine professionelle Trauerbegleitung Sie genau dort abholen, wo Sie stehen. Sie werden heilsame Gespräche führen, lernen Ihren Gefühlen den Raum zuzugestehen, den sie brauchen und sich Schritt für Schritt den Weg in Ihr Leben nach dem Verlust zu erarbeiten. Sie können diesen Weg in Ihrem Tempo gehen und sich auf die moralische Unterstützung der Trauerbegleitung verlassen. Sie sind nicht allein, egal ob Sie in der Großstadt leben und nicht wissen, an wen Sie sich wenden können oder ob Sie in Ihrem festen sozialen Gefüge gerade zu sehr unter Druck gesetzt werden. Sie können sich einen zuverlässigen Begleiter an die Seite holen. Nutzen Sie die Trauerphase, um einen neuen Weg einzuschlagen, der die Erinnerungen an Ihren verstorbenen Angehörigen mit Ihrem aktiven Leben auf liebevolle Weise miteinander verknüpft.